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Originalität versus Kommerz

Hollywood steht im Ruf, Filmprojekte vor allem aus einem Grund auszuwählen: Profit. Kritiker sehen hier die Gefahr, dass die Originalität auf der Strecke bleibt, originelle Gedanken von findigen Autoren unter den Tisch fallen. Denn eine noch nie da gewesene Idee ist schlecht kalkulierbar. Anders als bei der dritten „Spiderman“-Verfilmung, ist das Risiko immens, dass die Kinos leer bleiben. Aber ist es in Hollywood nicht trotzdem möglich, Geldgeber für einen innovativen Filmstoff zu gewinnen und am Ende auch kommerziell erfolgreich zu sein?

Von Sven Ole Spindler

Dieser Frage wollen wir am Beispiel von Regisseur und Drehbuchschreiber Christopher Nolan nachgehen. Einen Namen machte sich Nolan mit den kleinen Produktionen „Memento“ (2000) und „Insomnia“(2002). Beide hatten ein relativ niedriges Budget, wurden von den Kritikern aber mit Wohlwollen betrachtet. Sie entsprachen nicht den gängigen Hollywood-Denk-Mustern mit Liebesgeschichte und Happy-End, punkteten aber durch innovative Erzähltechniken und ihre atmosphärische Dichte.

Christopher Nolan sieht in die Kamera

Regisseur und Drehbuchautor Christopher Nolan (c) wikipedia

Als er die Dreharbeiten zu „Insomnia“ 2001 abgeschossen hatte, schlummerte bereits eine Idee zu einem neuen Filmprojekt in Nolans Kopf. Er wollte aber nicht einen weiteren kleinen aber feinen Film daraus machen, sondern einen groß angelegten Hollywood-Blockbuster mit hochwertiger Optik, namhaften Darstellern und hohem Budget. Er wusste,  dass er zu diesem Zeitpunkt in Hollywood dafür keine Finanziers finden würde. Also beschloss er, sich zunächst der primär kommerziell orientierten Logik Hollywoods zu unterwerfen.

Erfolge mit Blockbustern

Ende 2002 suchte Warner Brothers Drehbuchschreiber für eine Neuverfilmung der Batman-Comics. Comic-Adaptionen waren gerade sehr gefragt: 2000 war der erste Teil der „X-Men-Reihe“ erfolgreich gestartet und 2002 spielte „Spiderman“ bei einem Budget von 139 Millionen US-Dollar weltweit 821 Millionen US-Dollar ein. Nolan packte die Gelegenheit beim Schopf. Mit seiner Idee, die Anfänge des Superhelden im Fledermauskostüm auf eine möglichst moderne und realistische Weise zu erzählen, setzte er sich gegen die Konkurrenz durch und erhielt den Zuschlag, bei der Verfilmung Regie zu führen.

Zur Ausarbeitung des Drehbuchs wurde ihm David Goyer zur Seite gestellt, der über das nötige Hintergrundwissen zu den Batman-Comics verfügte. „Batman Begins“ kam 2005 in die Kinos. Der Film war so erfolgreich, dass Nolan auch für eine Fortsetzung engagiert wurde, die den ersten Teil kommerziell noch übertraf. Über eine Milliarde US-Dollar spielte „The Dark Knight“ 2009 ein und zählt bis heute zu den 10 wirtschaftlich erfolgreichsten Filmen überhaupt.

Die Idee mit den Traum-Dieben

2009 sah Nolan dann die Zeit gekommen, die Filmidee zu verwirklichen, die ihm nunmehr schon seit über 8 Jahren im Kopf herumspukte: ein Werk, in dem Traum und Realität ineinander verschmelzen. „Der Gedanke, dass man im Schlaf eine ganze Welt erschaffen kann, die man erlebt, ohne sich bewusst zu sein, dass man es tut. (…) Das ist etwas, was mich fasziniert!“, beschrieb Nolan 2010 gegenüber film.com seine Motivation für das Projekt.

Ausschnitt aus einem Kino-Plakat

Christopher Nolans Film Inception handelt von einer Gruppe von Ideen-Dieben. (c) flickr / cea.

Das Drehbuchkonzept mit dem Titel „Inception“, das Nolan 2009 Warner Brothers vorlegte skizziert die Handlung des Films wie folgt: Eine Gruppe von Dieben dringt in die Träume ihrer Opfer ein und gelangt so an geheime Informationen, für die ihre Auftraggeber viel Geld zahlen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Nolan über 8 Jahre an dem Drehbuch gefeilt, aber nur mit engen Freunden, seinem Bruder und seiner Frau darüber gesprochen, aus Angst jemand könnte ihm die Idee klauen. „Die beste Art, in Hollywood eine Idee zu schützen, ist, mit niemandem darüber zu reden“, verriet Nolan 2010 spiegel.de. Schließlich könne man für die Idee, einen Film über Träume zu machen, kein Copyright anmelden. Leicht gefallen sei es ihm aber nicht. „Im Gegenteil, man möchte ständig darüber reden!“

Es braucht Vertrauen

In einem Interview mit film.com beschrieb Nolan seine Situation 2009 folgendermaßen: „Mit dem Erfolg von „The Dark Knight“ waren wir in einer Position, in der das Studio bereit war uns eine große Portion Vertrauen entgegenzubringen und sich darauf zu verlassen, dass wir wirklich etwas Besonderes schaffen. Diese Möglichkeiten bieten sich einem Filmemacher nicht oft.“ Nolan war am Ziel seiner Träume. Warner Brothers kaufte die Rechte an seinem Drehbuch und stellte ihm für die Produktion ein Budget von über 150 Millionen US-Dollar zur Verfügung.

Das Vertrauen in Nolan zahlte sich für das Studio aus. „Inception“ kam 2010 in die Kinos und spielte weltweit rund 800 Millionen US-Dollar ein. Damit hatte Nolan bewiesen, dass er auf beide Arten arbeiten kann. Er hat erfolgreich Drehbücher für Hollywoodstudios – quasi auf Bestellung – geschrieben. Er hat aber auch aus eigenem Antrieb Drehbücher entwickelt und es geschafft, große Studios für seine Ideen zu begeistern. Filme, die auf vom Autor selbst entwickelten Konzepten beruhen, sind also auch in Hollywood umsetzbar. Allerdings nur, wenn der Autor sich auf die wirtschaftlichen Logiken der Filmindustrie einlässt und es schafft, das Vertrauen der großen Studios zu gewinnen.