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Alles nur Fassade!

Wer an Titanic denkt, wird nie die Eichentreppe vergessen, auf der Leonardo DiCaprio Kate Winslet empfing. Wer von Harry Potter schwärmt, träumt von den malerischen Orten Hogwarts. Diese Filme bestechen neben den Stars auch durch imposante Kulissen. Uns verrät Kulissenbauer Tom Ebel seine Geheimnisse.

Von Christoph Bernauer

 

Pappmauer aus dem Film "Offroad" (2012) (c) sogehtfilm.de

Mitten im Raum eine riesige Backsteinmauer. Am Eingang: Ein Panzer. Wo ist man hier bloß gelandet? Die Wahrheit erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Die Mauer ist aus Pappe und Styropor, der Panzer aus Holz. Wir befinden uns in einer Werkstatt in Berlin-Lichtenberg. Hier arbeitet Tom Ebel seit sechs Jahren als Kulissenbauer.

Ein Berufsbild, das es im Grunde gar nicht gar nicht mehr gibt. In der Praxis gibt es am Theater Bühnenbildner, beim Film Szenenbildner, die gemeinsam mit der Regie Ideen für die Kulissengestaltung entwickeln. Realisiert, also handwerklich umgesetzt, werden die Projekte dann von Menschen wie Tom Ebel. Eigentlich ist er gelernter Industriemechaniker, irgendwann schwenkte er aber zum Kulissenbau um. „Handwerkliches Know How ist entscheidend für unseren Beruf. Wir hämmern, schrauben, sägen, kleben, arbeiten ausschließlich mit unseren Händen.“, erklärt Ebel. Wirklich kreativ sein kann er dabei nicht. „Wir müssen uns an die Vorgaben der Szenenbildner genau halten. Es ist durchaus schon vorgekommen, dass wir nach der „Abnahme“ Kulissen umbauen mussten oder noch mal ganz von vorne angefangen haben.“

 

Aus neu mach alt

Besonders stolz ist Tom Ebel auf seine Arbeit an den Filmen „Hilde“ (2009) und „Die Frau des Heimkehrers” (2006). Die Filmbiografie „Hilde“ war eine der größten Herausforderungen, denn dafür musste ein kompletter Straßenzug in Berlin auf alt getrimmt und die Verwüstung durch den zweiten Weltkrieg verbildlicht werden. Zunächst übermalten Tom Ebel und seine Kollegen in mühevoller Kleinstarbeit die Graffities an den Häuserwänden und patinierten die Fassaden, was bedeutet: Sie trugen eine hauchdünne, dunkle Farbschicht auf, die die Gebäude künstlich älter erscheinen ließ. Um den Eindruck der gewaltigen Zerstörung zu erzeugen, transportierten Tom Ebel und seine Crew mit riesigen LKW Tonnen von Geröll und Schotter zum Set. Nachdem der Schotter abgeladen war, mussten die größten Steinbrocken noch  mit Kränen an bestimmte Stellen der Straße platziert werden. „Es war richtige Knochenarbeit, aber es hat sich gelohnt und die Illusion war am Ende perfekt.“, beschreibt Tom Ebel die Arbeit an dem Filmprojekt.

In „Die Frau des Heimkehrers“ gibt es eine Szene, die in einem Kriegsgefangenenlager spielt. Die Ansage der Szenenbildner: Eine geeignete Location im Berliner Umland zu finden, die sich schnell und einfach zu einem Gefangenenlager umfunktionieren lassen würde. Fündig wurde Tom Ebel in einem still gelegten Fabrikgebäude. Die Männer räumten das Gebäude komplett aus, entfernten Holzplatten, Fässer und Kanister, die sich noch darin befanden. Danach patinierten sie die Wände und bedeckten den Boden mit Stroh. Zum Schluss wurde der Raum noch mit Hochbetten ausgestattet, die die Kulissenbauer schon Monate vor dem Dreh aus Holz angefertigt hatten. Der Clou: Die Betten sahen im späteren Film nach einer Stahlkonstruktion aus, da das Holz mit grauer Farbe besprüht wurde.

Das Geld reicht, große Sprünge sind aber nicht möglich

Tom Ebel in seiner Berliner Werkstatt (c) sogehtfilm.de

Obwohl die Männer aus Tom Ebels Werkstatt oft mit festen Materialien arbeiten, ist der Beruf des Kulissenbauers nicht ganz so krisenfest. Je nach Auftragslage fließt mal mehr, mal weniger Geld. Dass sich Tom Ebel ein drittes Standbein geschaffen hat, ist daher nur nachvollziehbar. Neben seiner Arbeit für Film und Fernsehen baut er Stände für Events und Messen. Auch wenn er mit seinem  Beruf  keine großen Sprünge machen kann,  könnte sich Tom Ebel nichts Schöneres vorstellen. „Es ist immer wieder ein tolles Gefühl, die mit meinen eigenen Händen geschaffenen Kulissen später in den Filmen zu sehen.“